Vom 31. Juli bis 16. August suchten Forschungsteams die Adria systematisch nach Walen, Delfinen und Meeresschildkröten ab. Neue Bestandszahlen gibt es noch nicht – die Methode erklärt, warum die Auswertung Zeit braucht.
Die Flüge sind beendet, die Antwort noch nicht
Zwischen dem 31. Juli und dem 16. August haben internationale Forschungsteams das Adriatische Meer aus der Luft nach Walen, Delfinen und Meeresschildkröten abgesucht. Der kroatische Teil lief im EU-kofinanzierten Projekt „Priroda na oku“ unter Beteiligung des Instituts Plavi svijet, von Plavi svijet Vis und des Kroatischen Naturkundemuseums.
Die Mitteilung über das Ende der Flüge ist jedoch noch kein Ergebnisbericht. Weder das Umweltministerium noch das Forschungsinstitut veröffentlichen darin neue Gesamtzahlen oder einen Zu- beziehungsweise Rückgang einzelner Arten.
Warum das Flugzeug nicht einfach Tieren hinterherfliegt
Die Route folgt vorgeplanten Linien, die nach Angaben von Plavi svijet jeweils 15 Kilometer auseinanderliegen. Dadurch wird die Meeresfläche systematisch abgedeckt. Die Beobachter suchen nicht dort, wo ohnehin besonders viele Sichtungen erwartet werden, sondern halten sich an ein vergleichbares Raster.
Bis zum 7. August hatte das Team laut Institut bereits 40 Flüge zwischen Brindisi, Dubrovnik und Lošinj absolviert. Diese Zwischenzahl beschreibt den Arbeitsfortschritt zu diesem Zeitpunkt, nicht zwingend die endgültige Zahl aller Flüge bis zum 16. August.
Aus einer Sichtung wird erst durch den Abstand ein Datensatz
Bei jeder Beobachtung wird nicht nur die Art notiert. Entscheidend ist auch, wie weit das Tier von der Fluglinie entfernt auftaucht. Je weiter es entfernt ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tier übersehen wird. Genau diese abnehmende Entdeckungswahrscheinlichkeit muss die spätere Analyse berücksichtigen.
So lassen sich aus den tatsächlich beobachteten Tieren Dichten für die überflogenen Flächen schätzen und anschließend vorsichtig auf größere Gebiete übertragen. Das ist eine statistische Auswertung, keine bloße Addition aller gesehenen Rückenflossen und Panzer.
Die Adria endet für Delfine nicht an einer Grenze
Das Flugprogramm führt über kroatische und italienische Meeresgebiete. Eine solche gemeinsame Abdeckung ist wichtig, weil sich Delfine, Wale und Schildkröten nicht nach staatlichen Zuständigkeiten bewegen. Einzelne nationale Ausschnitte könnten Wanderungen oder saisonale Verlagerungen falsch erscheinen lassen.
Die Erhebung ist Teil der internationalen Zusammenarbeit im Rahmen von ACCOBAMS ASI-II. Dass dieselbe Methode über die gesamte Adria eingesetzt wird, soll die Daten zwischen Regionen und Jahren vergleichbar machen.
Eine wiederholte Zählung wird erst in der Reihe wertvoll
Adriaweite Luftzählungen fanden bereits 2010, 2013 und 2018 statt. Weitere Erhebungen folgten 2019 und 2020 in der nördlichen Adria sowie 2021 in einem weiteren Programm. Die neue Runde setzt diese Beobachtungsreihe fort.
Wiederholungen helfen dabei, Verteilung und Häufigkeit nicht aus einer einzelnen Saison heraus zu beurteilen. Trotzdem darf auch eine neue Zahl später nicht isoliert als Beweis für eine langfristige Entwicklung gelesen werden: Wetter, Sichtbedingungen, Aufenthaltsorte und statistische Unsicherheit gehören zur Einordnung.
Wofür die Daten gebraucht werden
Nach Angaben des Ministeriums sollen die Daten in Schutzplanung, maritime Raumnutzung, nationale und internationale Berichte sowie Wiederherstellungsmaßnahmen einfließen. Sie können zeigen, welche Gebiete regelmäßig wichtig sind und wo menschliche Nutzung mit empfindlichen Lebensräumen zusammentrifft.
Eine Luftzählung ersetzt dabei weder die Meldung eines verletzten Tieres noch Forschung von Booten oder Küstenstationen. Sie beantwortet eine andere Frage: Wie verteilen sich große Meereswirbeltiere in einem sehr großen Gebiet zu einem bestimmten Erhebungszeitraum?
Was sich heute seriös sagen lässt
Seriös ist: Die Erhebung wurde nach einer standardisierten Methode adriaweit durchgeführt, und die Ergebnisse sollen Schutzentscheidungen verbessern. Nicht seriös wäre derzeit: aus der Zahl einzelner Sichtungen abzuleiten, Delfine oder Schildkröten hätten sicher zu- oder abgenommen.
Der nächste belastbare Nachrichtenwert entsteht mit der veröffentlichten Auswertung. Bis dahin ist die wichtigste Erkenntnis nicht eine spektakuläre Tierzahl, sondern die Art, wie aus vielen kontrollierten Beobachtungen ein vergleichbares Bild der Adria entstehen soll.
Faktenlage
Quellen & Datenstand
Die Quellen tragen die Fakten. Planungshinweise und Empfehlungen sind redaktionelle Einordnungen von Golden Beach.
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