Nach einem Einsatz am 26. September kritisiert HGSS eine Lücke bei der technischen Luftrettung. Das Innenministerium verweist auf laufende Zertifizierung und Ausbildung. Lufttransport, medizinischer Flug und Aufnahme am Seil sind unterschiedliche Aufgaben.
Ein Einsatz macht eine technische Lücke sichtbar
An den Tulove grede musste am 26. September 2026 eine Person mit ernsthaften Herzbeschwerden aus schwierigem Gelände gerettet werden. Nach dem Bericht des kroatischen Bergrettungsdienstes HGSS ging der Alarm bei der Station Zadar um 14:25 Uhr ein. Ein Teil der Hilfe war bereits vor Ort, weitere Kräfte kamen hinzu.
Die Einsatzbeschreibung ist keine medizinische Diagnose. Wir sprechen deshalb von den gemeldeten Beschwerden und nicht von einem unabhängig bestätigten Herzinfarkt. Für die anschließende Diskussion entscheidend ist der Weg aus dem Gelände: Die Person musste zunächst am Boden zu einem erreichbaren Übergabepunkt gebracht werden.
Mehr als hundert Meter am Seil – dann der Flug
HGSS berichtet von einem Abseilen über mehr als hundert Meter und einem weiteren Transport durch anspruchsvolles Gelände. Insgesamt waren zwölf Retter beteiligt. Um 18:09 Uhr wurde die betroffene Person an die medizinische Hubschrauberbesatzung HEMS übergeben und zum KBC Rijeka geflogen.
Das zeigt, dass Lufttransport stattgefunden hat. Es zeigt zugleich, warum die Überschrift „Hubschrauber vorhanden“ die entscheidende Frage nicht beantwortet: Konnte die Besatzung die Person unmittelbar an der schwierigen Stelle aufnehmen, oder musste die Bergrettung erst einen Übergabepunkt erreichen?
Drei Aufgaben, die nicht verwechselt werden dürfen
Ein Hubschrauber kann Einsatzkräfte oder Material transportieren. Ein medizinischer Hubschrauber kann einen Patienten an einem geeigneten Ort übernehmen und rasch in ein Krankenhaus bringen. Eine technische Aufnahme mit Rettungswinde stellt nochmals andere Anforderungen an Ausrüstung, Zulassung, Besatzung und gemeinsames Vorgehen.
Diese Unterscheidung erklärt den Streit besser als die Behauptung, Kroatien habe überhaupt keine Luftrettung. HGSS kritisierte nach dem Einsatz, dass die neuen Hubschrauber noch nicht für die benötigte Windenrettung einsatzbereit seien. Die Organisation fordert neben Technik auch abgestimmte Abläufe, Infrastruktur und Ausbildung.
Was das Innenministerium dazu sagt
In einem am 28. September veröffentlichten Bericht von Dnevnik.hr beziehungsweise Dnevnik Nove TV erklärte das Innenministerium, die Polizeihubschrauber seien flug- und einsatzfähig und bereits bei zwölf Einsätzen am Tag oder in der Nacht genutzt worden. Zwei Winden befänden sich zur Prüfung beziehungsweise Zertifizierung in den USA.
Das Ministerium verwies außerdem auf Auswahl und Ausbildung der Besatzungen für Such- und Rettungsaufgaben. Diese Antwort widerspricht nicht automatisch jeder Kritik von HGSS: Ein flugfähiges Luftfahrzeug und ein freigegebenes, eingespieltes Windenrettungssystem sind nicht derselbe Status. Ein belastbarer Termin für dessen vollständigen Betrieb ist in den von uns geprüften Angaben nicht genannt.
Welche Frage beim nächsten Stand offen bleibt
Für die weitere Berichterstattung zählt deshalb eine konkrete Bestätigung: Ab wann steht welche technische Rettungsfähigkeit mit welcher Besatzung tatsächlich zur Verfügung? Ein Lieferdatum, ein erfolgreicher Test und ein regulärer Bereitschaftsdienst wären dabei getrennte Meilensteine.
Ebenso wäre es falsch, aus diesem einzelnen Einsatz allgemeine Aussagen über jedes kroatische Fluggerät oder jede Region abzuleiten. Die Kritik bezieht sich auf eine benannte Fähigkeit und den beschriebenen Stand Ende September. Sie belegt weder das Ende der Luftrettung noch eine Garantie, künftig an jedem Ort per Winde aufgenommen werden zu können.
Was das für einen Bergtag bedeutet
Die Möglichkeit einer Rettung ist kein Bestandteil der eigenen Routenplanung. Wähle eine Tour, deren Gelände und Länge zur Gruppe passen, prüfe die Wetterlage und lass Zeitreserven. Bei einem Notfall zählt eine frühe, klare Meldung über 112; beschreibe Standort, Zugang und die beobachtete Situation und folge den Anweisungen.
Dieser Artikel dokumentiert einen Einsatz und die anschließenden Stellungnahmen. Er ersetzt keine medizinische Beratung und keine Entscheidung der Rettungsleitstelle. Welche Hilfe möglich und sinnvoll ist, hängt vom konkreten Notfall, dem Gelände, der Witterung und den verfügbaren Kräften ab.
Faktenlage
Quellen & Datenstand
Die Quellen tragen die Fakten. Planungshinweise und Empfehlungen sind redaktionelle Einordnungen von Golden Beach.
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