Südlich der heutigen Brücke soll ein neuer Straßen- und späterer Eisenbahnkorridor entstehen. Beauftragt sind derzeit Varianten, Umweltprüfung und Standortgenehmigung – nicht der Bau.
Der wichtigste Satz zuerst: Das ist noch keine Baustelle
Hrvatske autoceste, kurz HAC, hat einen konkreten Planungsauftrag für eine zweite Verbindung nach Krk vergeben. Der Vertrag wurde am 3. Juni 2024 mit einem kroatisch-slowenischen Planungskonsortium geschlossen. Sein Ziel ist die Studien- und Projektdokumentation bis zur kroatischen Standortgenehmigung. Das ist ein ernster Schritt – aber noch kein Bauvertrag, kein erster Spatenstich und keine gesicherte Eröffnung.
Der Auftrag läuft über drei Jahre. In dieser Zeit sollen Varianten verglichen, Verkehr und Wirtschaftlichkeit untersucht, Umweltfolgen geprüft, Winddaten gesammelt und der Vorentwurf so weit entwickelt werden, dass die Standortgenehmigung beantragt werden kann. Erst danach folgen weitere Planung, Genehmigungen, Finanzierung, Ausschreibung und Bau. Wer heute schreibt, die neue Brücke ‚komme 2030‘, überspringt mehrere offene Entscheidungen.
Sieben Kilometer Infrastruktur, nicht nur 850 Meter Brücke
Das amtliche Aufgabenheft beschreibt einen rund sieben Kilometer langen Verkehrskorridor von der Autobahn A7 bis in den Raum Omišalj. Auf dem Festland beginnt er mit einer neuen Zufahrt und dem Knoten ‚Šmrika 2‘. Es folgen eine neue Krk-Brücke von ungefähr 850 Metern und auf der Insel ein etwa 900 Meter langer Viadukt.
Danach sieht der Korridor eine neue Zufahrt bis zum Knoten ‚Aerodrom Rijeka‘, einen rund 740 Meter langen Tunnel, den Flughafenknoten sowie den Ausbau der bestehenden Staatsstraße bis zum Knoten ‚Omišalj – sjever‘ vor. Auch dieser nördliche Knoten gehört zum Auftrag. Der Name ‚neue Krk-Brücke‘ greift deshalb zu kurz: Geplant wird ein vollständiges System aus Straße, Bauwerken und Anschlüssen.
Südlicher als heute – und ohne Sveti Marko
Die neue Trasse liegt südlich der bestehenden Brücke. Nach den bisher veröffentlichten Erläuterungen soll sie nicht über die kleine Insel Sveti Marko führen, sondern vom Bereich der Bucht Črišnjeva in Richtung der Landzunge bei der Festung Maltempo queren. Die alte und die neue Verbindung wären damit keine parallelen Zwillinge am selben Ort.
Die genaue Linienführung bleibt trotzdem Teil der laufenden Arbeit. Das Aufgabenheft verlangt ausdrücklich die Prüfung der Raumordnungspläne und erlaubt, bei einem besseren technischen Ergebnis Änderungen anzustoßen. Eine Karte aus einer frühen Präsentation ist daher Orientierung, aber noch kein vermessener künftiger Straßenrand.
Straße und Eisenbahn: vorgesehen, aber nicht automatisch gleichzeitig fertig
Brücke und Viadukt sollen Straßenverkehr aufnehmen und konstruktiv einen Eisenbahnkorridor ermöglichen. Das offizielle Aufgabenheft formuliert bewusst, dass später eine Bahnstrecke auf die Insel geführt werden können muss. Für Machbarkeit und Nutzen sind sowohl Straßen- als auch Bahnverkehr zu untersuchen.
Daraus folgt noch nicht, dass am Eröffnungstag zwingend Autos und Züge gleichzeitig fahren. HAC plant den Straßenkorridor; eine anschließende Bahnstrecke und der langfristig diskutierte Hafen- beziehungsweise Terminalausbau haben eigene Zuständigkeiten, Planungen und Finanzierungen. Sicher ist derzeit die bauliche Vorsorge im Konzept – nicht der Termin eines ersten Zuges nach Omišalj.
Warum das Aussehen noch offen ist
Für die Brücke müssen mindestens eine Hängebrücken- und eine Schrägseilbrückenvariante samt Kosten, Vor- und Nachteilen untersucht werden. Zusätzlich fordert HAC mindestens drei Querschnittsvarianten für die Führung von Straße und Bahn. Erst aus diesen Vergleichen soll eine bevorzugte Lösung entstehen.
Renderings mit Türmen, Seilen oder zwei Ebenen sind deshalb keine Fotografie der Zukunft. Auch unser Titelbild ist ausdrücklich nur eine redaktionelle Illustration. Maßgeblich werden später die ausgewählte Variante, das genehmigte Projekt und die dazugehörige öffentliche Dokumentation sein.
Umwelt und Bura sind Teil des Projekts, nicht Fußnoten
Für den gesamten Korridor ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung einschließlich Natura-2000-Prüfung vorgesehen. Fachuntersuchungen an Land und im Meer sollen ein volles Jahr abdecken. Untersucht werden außerdem Klimaresilienz, Gewässer, Lärm, Entwässerung, Brandschutz und die Verlegung bestehender Leitungen.
Für den Windschutz verlangt HAC Daten des kroatischen Wetterdienstes und mindestens zwei zusätzliche Messstationen. Geschwindigkeit und Richtung sollen während der gesamten dreijährigen Vertragslaufzeit erfasst werden. Das ist am Kvarner entscheidend: Brückengeometrie, Windschutz und spätere Verkehrsregeln müssen mit der Bura dieses Standorts funktionieren, nicht nur mit einem Durchschnittswert aus einer entfernten Station.
Was aus dem Zieljahr 2030 geworden ist
Als das Vorhaben Anfang 2024 öffentlich vorgestellt wurde, nannten Politik und Berichterstattung 2030 als Zielhorizont. Diese Zahl war eine frühe Erwartung im Umfeld größerer Verkehrs- und Hafenpläne. Sie steht nicht als verbindliches Eröffnungsdatum im Planungsauftrag.
Nach dem heutigen Dokumentenstand ist nicht belastbar festgelegt, wann gebaut wird. Der dreijährige Auftrag führt zunächst bis zur Standortgenehmigung. Danach bleiben Hauptplanung, Baugenehmigungen, Finanzierung, Vergabe und Bau. Ebenso offen sind endgültige Kosten, Brückentyp und Bauphasen. Ein realistischer Bericht muss diese Lücken stehen lassen.
Was das für die nächsten Urlaubssaisons bedeutet
Für die Anreise 2026 und die unmittelbar folgenden Saisons ändert der Planungsauftrag nichts: Der Verkehr nutzt weiterhin die bestehende Krk-Brücke und die heutige Inselstraße. An starken Wechseltagen bleiben frühe Abfahrt, aktuelle Verkehrsmeldungen und ein Zeitpuffer die wirksameren Werkzeuge als der Blick auf eine Zukunftsgrafik.
Langfristig könnte ein neuer Korridor die bestehende Verbindung entlasten und Straßen-, Flughafen-, Hafen- und Bahnverkehr neu ordnen. Wie groß dieser Effekt wird, soll gerade der Verkehrs- und Machbarkeitsnachweis klären. Erst wenn Genehmigung, Finanzierung und Bauauftrag vorliegen, wird aus einer plausiblen Perspektive ein belastbarer Reisezeitplan.
Faktenlage
Quellen & Datenstand
Die Quellen tragen die Fakten. Planungshinweise und Empfehlungen sind redaktionelle Einordnungen von Golden Beach.
- Projektaufgabe J307: Neuer Krk-Brückenkorridor bis zur StandortgenehmigungHrvatske autoceste (HAC) · Ausschreibungsunterlage 2023/2024, erneut geprüft 17. August 2026Korridor, Längen, Knoten, Straße/Bahn, Varianten, Umweltprüfung, Windmessung und dreijährige Laufzeit
- Öffentliche Ausschreibung J307/23Hrvatske autoceste (HAC) · Ausschreibung 2024, geprüft 17. August 2026Amtlicher Gegenstand: Studien- und Projektdokumentation bis zur Standortgenehmigung
- Planungsvertrag für die neue Krk-Brücke unterzeichnetNovi list, mit Bestätigung von HAC · 6. Juni 2024Vertragsdatum, Planungskonsortium, Wert und Laufzeit
- Frühe Vorstellung des Zielhorizonts 2030HRT · 8. Februar 2024Politische und frühe öffentliche Zielangabe; keine verbindliche Eröffnung