Monteput sucht einen Planer für den montenegrinischen Abschnitt Richtung Bosnien. Ausgeschrieben ist ein Vorprojekt über rund 45 Kilometer – nicht der Bau, nicht die endgültige Trasse und nicht eine Eröffnung.

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Der wichtigste Satz zuerst: Ausgeschrieben ist Papier, nicht Asphalt

Montenegros staatliche Autobahngesellschaft Monteput hat die Erstellung eines idejni projekt für den Abschnitt Gradac–Grahovo ausgeschrieben. Das ist eine vertiefte Vorplanung, mit der Trasse, Bauwerke und technische Lösungen untersucht und für spätere Genehmigungen vorbereitet werden. Es ist kein Auftrag für Bagger, Tunnelbohrmaschinen oder Fahrbahnbau.

Der geschätzte Auftragswert beträgt vier Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer beziehungsweise 4,84 Millionen Euro einschließlich Mehrwertsteuer. Angebote sollen bis 2. Oktober 2026 eingehen. Erst danach kann ein Planer ausgewählt und ein Vertrag geschlossen werden. Ein Baustart lässt sich aus der Ausschreibung nicht ableiten.

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Was in den 15 Monaten entstehen soll

Für die Bearbeitung sind 15 Monate ab Vertragsbeginn vorgesehen. Nach sieben Monaten soll eine erste zusammenhängende Stufe vorliegen: vermessene Grundlage, geologische Untersuchungen und eine definierte Trassenvariante. Die weitere Ausarbeitung wird von einer Revisionskommission begleitet und geprüft.

Diese Frist beginnt nicht mit der Veröffentlichung des Auftrags, sondern erst nach dem späteren Vertrag. Auch ein fertiges Vorprojekt ist noch keine Baugenehmigung. Umweltverfahren, endgültige Projektierung, Grundstücksfragen, Finanzierung und eine Bauausschreibung bleiben eigene Schritte.

Gradac–Grahovo · Stand August 2026

Vier Millionen Euro kaufen Planung – noch keine Straße

01 Angebote Frist für das Vorprojekt bis 2. Oktober 2026
02 Vorprojekt 15 Monate für Trasse, Geologie und technische Lösungen
03 Noch offen Umwelt, Grundstücke, Hauptprojekt, Finanzierung und eine eigene Bauvergabe

Die rund 45 Kilometer enden in dieser Ausschreibung bei Grahovo; der Abschnitt bis zur Grenze von Bosnien und Herzegowina ist nicht enthalten.

Golden Beach · eigene Darstellung nach Monteput-Ausschreibungsdaten und Montenegros mittelfristigem Straßenprogramm
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45 Kilometer durch anspruchsvolles Karstland

Der zu untersuchende Abschnitt soll ungefähr 45 Kilometer lang sein und den geplanten Knoten Gradac mit Grahovo verbinden. Als vorläufige technische Grundlage werden vier Fahrstreifen, zwei Standstreifen und eine Entwurfsgeschwindigkeit von 100 bis 120 Kilometern pro Stunde genannt. Vorgesehen sind die Knoten Gradac, Čevo, Krivošije und Grahovo.

Die Aufgabenbeschreibung rechnet außerdem mit ungefähr 15 Brücken, zusammen möglicherweise mehr als fünf Kilometer lang, sowie drei Tunnelzonen mit insgesamt etwa zwei Kilometern. Diese Zahlen zeigen die Größenordnung des Geländes. Sie sind noch kein Bauwerksverzeichnis einer genehmigten Trasse und können sich durch Vermessung, Geologie, Umweltprüfung und Variantenvergleich ändern.

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Die Linie Richtung Bosnien endet in dieser Ausschreibung bei Grahovo

Montenegros mittelfristiges Straßenprogramm beschreibt den größeren adriatisch-ionischen Korridor vom Knoten Gradac über Čevo und Grahovo bis zur Grenze von Bosnien und Herzegowina. Die aktuelle Ausschreibung deckt davon Gradac–Grahovo ab. Der anschließende Abschnitt Grahovo–Nudo beziehungsweise bis zur Staatsgrenze ist nicht Bestandteil dieses Auftrags.

Darum wäre die Überschrift „Autobahn bis Bosnien wird gebaut“ doppelt falsch: Gebaut wird in diesem Verfahren gar nicht, und geplant wird zunächst nicht bis zur Grenze. Die Ausschreibung schließt eine Lücke in Montenegros Vorprojektplanung – sie schließt noch keine Verkehrslücke auf der Landkarte.

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Auch auf bosnischer Seite entsteht noch keine durchgehende Autobahn

In Bosnien und Herzegowina laufen Vorbereitungen für einzelne Teile des adriatisch-ionischen Korridors. JP Autoceste Federacije BiH veröffentlichte 2026 Schritte zum Grunderwerb für den Abschnitt Počitelj–Stolac mit rund 23,25 Kilometern und berichtete über Arbeitsgespräche mit den betroffenen Gemeinden.

Das ist relevant, aber räumlich und verfahrensmäßig kein direkter Anschluss an eine fertige Strecke bei Grahovo. Zwischen nationalen Teilprojekten bleiben Planungs-, Genehmigungs- und Finanzierungslücken. Eine Reise von der kroatischen Küste über Montenegro nach Bosnien erhält durch die beiden Vorgänge heute keine neue Autobahnverbindung.

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Warum das Etikett TEN-T hier Vorsicht verlangt

Montenegro ordnet seine Autobahn- und Schnellstraßenpläne in ein weit größeres nationales Netz ein. Der Bericht der EU-Kommission bewertet dieses Programm als sehr ambitioniert und beziffert den gesamten geplanten Straßenumfang mit ungefähr neun Milliarden Euro. Diese Summe gehört nicht zum Abschnitt Gradac–Grahovo und ist kein zugesagtes Budget für ihn.

Die EU weist außerdem darauf hin, dass Teile der montenegrinischen Inland- und Küstenplanung über die gemeinsam abgestimmten Korridore der transeuropäischen Verkehrsnetze und der Transportgemeinschaft hinausgehen. Gradac–Grahovo sollte deshalb nicht ohne konkrete Förderentscheidung als bereits EU-finanziertes TEN-T-Bauprojekt bezeichnet werden.

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Was noch fehlt, bevor wirklich gebaut werden kann

Offen sind zunächst die Auswahl des Planers und die endgültige Trassenvariante. Danach folgen je nach Verfahren Umwelt- und Raumordnungsentscheidungen, Hauptprojekt, Genehmigungen, Grundstückserwerb und belastbare Kostenberechnungen. Für den Bau müssten Finanzierung und Vergabemodell feststehen und ein eigener Bauauftrag ausgeschrieben werden.

Nicht veröffentlicht sind deshalb ein verlässlicher Baubeginn, ein Eröffnungsjahr und ein belastbarer Gesamtpreis. Selbst die Zahl der Brücken und Tunnel ist noch eine Planungsannahme. Die jetzigen vier Millionen Euro finanzieren Wissen über die mögliche Straße – nicht einen Anteil an fertigen 45 Kilometern.

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Für Reisende ändert sich vorerst nichts

Wer heute zwischen Kroatien, Bosnien und Montenegro unterwegs ist, fährt weiterhin über die bestehenden Straßen und Grenzübergänge. Es gibt durch diese Ausschreibung keine neue Auffahrt, keine Umleitung und keine verkürzte Fahrzeit. Auch Grundstücksarbeiten entlang einer vermeintlichen künftigen Linie wären kein sinnvoller Orientierungspunkt, weil die genaue Trasse erst entwickelt werden soll.

Der nächste belastbare Fortschritt wäre die Vergabe des Vorprojekts und später eine offiziell bestätigte Vorzugsvariante. Danach bleiben die Genehmigungs- und Finanzierungsentscheidungen entscheidend. Bis dahin ist Gradac–Grahovo ein ernsthaft vorbereitetes Infrastrukturprojekt – aber keine Baustelle.

Faktenlage

Quellen & Datenstand

Die Quellen tragen die Fakten. Planungshinweise und Empfehlungen sind redaktionelle Einordnungen von Golden Beach.

  1. Srednjoročni program izgradnje državnih puteva 2024–2027Regierung Montenegros / Verkehrsministerium · mittelfristiges Programm, geprüft 23. August 2026offizieller Gesamtkorridor Gradac–Čevo–Grahovo–Grenze Bosnien und Herzegowina sowie Einordnung in Montenegros geplantes Straßenprogramm
  2. Monteput zaokružio proces idejnih projekata za sve planirane auto-puteveInvestitor · 20. August 2026, geprüft 23. August 2026Ausschreibungsgegenstand, Auftragswert, Angebotsfrist, Planungsdauer, vorläufige Länge, Knoten, Brücken und Tunnel sowie ausdrückliche Abgrenzung vom Bauauftrag
  3. Montenegro Report 2025Europäische Kommission · 4. November 2025, geprüft 23. August 2026Einordnung des ambitionierten montenegrinischen Straßenprogramms, Gesamtvolumen von ungefähr neun Milliarden Euro und Abgrenzung zu abgestimmten TEN-T-Vorhaben
  4. Javni oglas za nekretnine – Jadransko-jonska autocesta, Počitelj–StolacJP Autoceste Federacije BiH · 20. Februar 2026, geprüft 23. August 2026Vorbereitung des Grunderwerbs für einen 23,25 Kilometer langen bosnischen Teilabschnitt; kein Nachweis einer durchgehenden Verbindung bis Grahovo
  5. Grahovo polje, Bijela gora und OrjenWikimedia Commons · Aufnahme 16. Juni 2013, Lizenz geprüft 23. August 2026Titelbild von Orjen unter CC BY-SA 3.0; geografische Illustration, keine Trassenkarte
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